Robin, 24 Jahre – Erfahrungsbericht Depression

Meine Geschichte

Mein Weg zu dieser Website ist einfach zu erklären – es war Zufall. Ich wollte mich über ein Krankheitsbild näher informieren und bin bei den Erfahrungsberichten dieser Seite gelandet.

Kurz etwas zu mir

mein Name ist Robin und ich bin 24 Jahre alt. Vor zwei Jahren hatte ich, so wie ich es immer nenne, die schlimmste Zeit meines Lebens – Diagnose: Depression.
Der Weg von Diagnose bis zur „Heilung“ war alles andere als einfach. Ich will euch nicht mit meiner Lebensgeschichte konfrontieren – jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen und Depressionen haben verschiedene Auslöser. Nein, ich möchte euch näher bringen, was ich in dieser Zeit dachte und fühlte. Euch einfach meine Geschichte erzählen und zeigen, dass ich es geschafft habe, den Kampf gegen die Depression zu gewinnen.

Regen - Sinnbild für Depressionen

Anfangs erschien mir alles ganz normal.

Ich befand mich in der Ausbildung und hatte viel mit Lernen und der Arbeit zu tun. Irgendwann fühlte ich mich schlapp und antriebslos – Zeit für Urlaub! Einfach entspannen, nichts tun und Kraft tanken. Für kurze Zeit zeigte es auch seine Wirkung, denn die Schwäche war verflogen. Diese neu geschöpfte Kraft hielt allerdings nicht lange an. Schnell ging es mir wieder genauso und darüber hinaus wurde ich extrem nervös. Zuerst dachte ich, dass dies bestimmt nur eine Phase ist und sich das sicherlich irgendwann legen wird. Damit habe ich mich tierisch geirrt. Ich wurde schwächer und schwächer und mein Körper fing an sich in Form von Kreislaufproblemen und Magenschmerzen zu melden. Essen gestaltete sich als schwierig, denn ich konnte nichts mehr essen, ohne dass mir schlecht wurde.

Meine Laune wurde sprunghaft. Einige Personen mussten ziemlich darunter leiden, auch wenn sie nichts dafür konnten. Jede Geste oder jedes Wort konnte mich total aus der Fassung bringen. Es tat mir leid – ich habe mich dafür immer mehrfach entschuldigt. Niemals wollte ich jemanden verletzen oder vor den Kopf stoßen. Ich fing an überemotional zu werden. Abends saß ich da und habe nur noch geweint. Ich wusste nicht was mit mir los ist und irgendetwas hinderte mich daran, darüber zu sprechen. Ungewohnt für mich, weil ich immer über alles reden konnte. Ich war hilflos und mit den Kräften am Ende. Ich habe mich abgeschottet, von allen zurückgezogen. Nichts mehr unternommen. Trotzdem habe ich versucht irgendwie wie immer weiter zu machen und mir nichts anmerken zu lassen. Es hat funktioniert – die Maske hat gesessen.

Es ging irgendwann so weit, dass ich gar nicht mehr geredet habe. Ich war einfach teilnahmslos. Wollte weg von allen Leuten, Ruhe haben. Lustige Gespräche waren mir fremd. Wenn ich mich doch mal dazu durchgerungen habe, etwas zu unternehmen, hat es mir mein Körper danach sofort gedankt – ich lag dann komplett flach. Außer zur Arbeit und für schnelle Einkäufe habe ich die Wohnung dann nicht mehr verlassen. Unter Menschen fühlte ich mich höllisch unwohl.
Eines Tages fing ich an, mich aus heiterem Himmel zu übergeben, ohne Anzeichen von irgendwelchen Krankheitssymptomen.

Das war der Moment, wo ich einen Arzt aufsuchte

Insgeheim hoffte ich, dass bei der Untersuchung etwas gefunden wird, um endlich eine Antwort auf die Frage „Was ist los mit mir?!“ zu bekommen. Aber man fand nichts. Somit war ich wieder am Anfang…

Meine Tage fingen an aus „Aufstehen, Arbeiten, Schlafen“ zu bestehen. Um irgendetwas zu unternehmen fehlte mir einfach die Kraft. Ich wollte darüber reden, aber es ging einfach nicht. Es war mir peinlich und unangenehm. Zum einen, weil ich selbst nicht wusste was mit mir los ist. Zum anderen, weil ich keine Schwäche zeigen wollte. Meine größte Schwäche war, immer stark sein zu wollen.
Wenn ich mal eine Kleinigkeit erzählen konnte, hörte ich Sachen wie „Wird schon.“ oder „Stell dich nicht so an. Mach mal was.“… Diese Aussagen waren nicht sehr hilfreich und haben mich noch mehr in die Isolation getrieben. Ich fühlte mich komplett allein, hinterfragte mich selbst. Ich fühlte mich im Stich gelassen. Teilweise suchte ich dafür die Schuld nur bei mir. Das sogenannte “Grübeln”.

Auch die Arbeit litt irgendwann unter meinen Problem.

Mir fehlte jegliche Konzentration – jeder Tag war für mich eine Qual. Doch ich kämpfte weiter, Tag für Tag. Doch auch das Loch zog mich immer mehr in die Tiefe.
Kaum von der Arbeit zuhause, überkamen mich schlimme Heulkrämpfe. Teilweise so schlimm, dass ich nach Luft ringend auf dem Boden saß.

Ich fühlte mich wertlos.

Ich hatte keine Kraft mehr weiter zu machen. Ich wollte einfach, dass es endlich aufhört! Mein einziger Wunsch war nur, dass alles wieder so wird wie früher, als ich noch Freude am Leben und Spaß daran hatte. Spaß war für mich zu dieser Zeit ein Fremdwort. Es kam mir vor, als wäre ich es nicht wert Spaß zu haben. Im Allgemeinen fehlten mir irgendwann jegliche Emotionen. Ich fühlte mich einfach nur “leer” und funktionierte nur noch. Die täglichen Heulkrämpfe, das Grübeln und die Einsamkeit zerrten immer mehr an meinen Nerven. Den Versuch zu reden hatte ich aufgegeben – “Es versteht mich ja sowieso niemand!”.
Da ich so nicht mehr weiterleben wollte und konnte, musste ich etwas unternehmen. Ich hatte damals alles in meiner Macht stehende versucht, um allein alles zum Guten zu wenden.
Doch ich schaffte es nicht. Im Gegenteil – es wurde immer schwerer und schwerer. Somit fasste ich den Entschluss, einen Arzt aufzusuchen. Denn mir wurde klar: ohne professionelle Hilfe schaffe ich es einfach nicht!
Nachdem ich meinem Hausarzt geschildert hatte wie es mir ging, wurde ich direkt zu einen Spezialisten geschickt, welcher Depressionen diagnostizierte, mir Tabletten verschrieb und mir einen Aufenthalt in der Tagesklinik empfahl und anbot, mich sofort auf die Warteliste zu setzen. Ich stimmte zu.

Nachdem ich die Diagnose erhielt, war ich geschockt und hatte Angst.

Ich hatte mich nie mit dem Thema beschäftigt, aber es war mir bekannt. Mir fiel nur Robert Enke ein. Der, den die Depression in den Tod getrieben hat. Gleichzeitig überkam mich aber auch ein kleines bisschen Hoffnung: mir konnte geholfen werden. Ich wusste nicht wie, aber es gab eine Möglichkeit.

Beim Arbeitgeber

Danach folgte einer der für mich schwierigsten Schritte: den Arbeitgeber informieren. Meine größte Angst war, durch die lange Fehlzeit die ein Aufenthalt in der Klinik mit sich brachte, meine Zukunft zu gefährden und durch das Geständnis, dass ich Depressionen habe, als psychisch labil und nicht tragbar abgestempelt zu werden. Doch diese Angst löste sich schnell in Luft auf. Ich erfuhr durch meinen Arbeitgeber so große Unterstützung, welche ich niemals wieder gut machen kann.

Die Tagesklinik

Der Aufenthalt in der Tagesklinik rückte näher und ich hatte Panik davor. Ich wusste es ist eine Einrichtung für Menschen mit psychischen Problemen, dennoch hatte ich Angst allein mit meinen Problemen zu sein. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es anderen Leuten genauso geht wie mir. Der Aufenthalt in der Klinik dauerte 7 Wochen und war alles andere als einfach.
Ich lernte viele unterschiedliche Leute jeglicher Altersklasse kennen, denen es genauso ging wie mir. Ich musste viel von mir und meinen Gefühlsleben offenbaren, was in dieser Situation sehr schwer war. Ich kam mir, obwohl ich wusste, dass mir hier geholfen wird, dennoch allein und missverstanden vor.

Nach und nach wurde mir aber bewusst, dass ich mit dieser Krankheit keineswegs allein bin.
Es tat mir gut von Menschen umgeben zu sein, denen es genauso ging wie mir und die Handlungen und Gedanken die man hat vollkommen nachvollziehen und verstehen konnten. Die Therapien und insbesondere die Gespräche mit den anderen Patienten haben mir geholfen nach und nach wieder auf die Beine zu kommen, Ängste zu überwinden, wieder Selbstvertrauen aufzubauen, Spaß zu haben und letztendlich wieder aus dem tiefen Loch hinaus zu klettern und zu mir selbst zu finden. Mir wurde, bevor ich den Klinikaufenthalt angetreten habe, gesagt: “Das Leuchten in deinen Augen ist verschwunden.” – es war wieder da!

Ich konnte auch genug Kraft aufbringen, um mit meinen besten Freunden darüber zu reden und alles zu erklären. Leider musste ich auch Konsequenzen ziehen. Wie heißt es so schön: “In Momenten wo man Hilfe braucht, merkt man wer seine wahren Freunde sind.” Die Reaktionen und die Unterstützung der anderen waren anders als erwartet! Mit einer positiven und verständnisvollen Reaktion hatte ich damals nicht gerechnet, ich dachte ich werde als “Psycho” oder ähnliches abgestempelt.

Ich kann euch sagen: der Aufenthalt in der Klinik war der beste Weg, den ich einschlagen konnte. Ganz ehrlich, ich wüsste nicht was passiert wäre, wenn ich nicht den Mut gefasst hätte, mich an jemanden professionellen zu wenden.
Zum einen hat es mir geholfen wieder ich selbst zu werden und zum anderen durfte ich Leute kennenlernen, welche ich heute zu meinen besten Freunden zählen kann.
Auch heute ist es manchmal nicht einfach für mich, aber mit dem Wissen was ich heute habe, kann ich anders mit diesen Sachen umgehen.

Die Kernaussage

soll sein, dass sich niemand schämen muss diese Krankheit zu haben – ihr seid definitiv nicht allein damit! Es gibt überall Menschen denen es genauso geht, auch wenn man selbst denkt, dass es nicht so ist. Und es ist keine Schande professionelle Hilfe anzunehmen. Jeder muss das für sich selbst entscheiden, ganz klar. Aber für mich war es die beste Entscheidung und hat mich, als Mensch, ein Stück weit stärker gemacht.

Robin

 

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