Isabell, 22 Jahre – Erfahrungsbericht Depression

Hallo. Ich bin 22 Jahre alt. Gerne möchte ich meine Geschichte erzählen und anderen betroffenen Mut machen.

Lebenslinie

Meine Kindheit verlief ganz normal. Ich hab all das gemacht, was Kinder so machen. Im 11. Lebensjahr erlitten ich und meine Familie einen herben Verlust. Meine Mutter nahm sich zwischen Weihnachten und Silvester 2004 das Leben. Für mich mit 11 Jahren unbegreiflich. Ab dem Pubertätsalter begann es: Der Verlust meiner Mutter löste des Öfteren tiefe Trauer in mir aus. Im Herbst kamen kleine Tiefs, die ich auf das Ereignis zurück schloss. Das Verhältnis zu meinem Vater war schwierig, es gab immer wieder Auseinandersetzungen, in denen ich unter anderem runter gemacht wurde.

 

Kleiner Hoffnungsschimmer

Mit 19 lernte ich meinen jetzigen Ex Freund kennen. Was mir Anfangs richtig gut Tat. Trotz allem begann mein Selbstbewusstsein zu bröckeln. Ständige fragte ich mich, ob ich noch gut genug sei.

Explosion

Alles zusammen – der Stress zuhause, die Beziehung, ein anstrengender Job – führte Anfang März 2014 zum Super-Gau. Ich hatte keine Ahnung und plötzlich war sie da, quasi überrollte mich die Depression. Ich wachte eines Morgens neben meinem Freund auf, ich hatte das Gefühl ein Fremder liegt neben mir. Die Wohnung meines Freundes kam mir fremd vor, obwohl wir schon 10 Monate zusammen waren. Dieses Gefühl machte mir Sorgen und brachte mich ständig zum Weinen. Da es sich nicht mehr wie sonst anfühlte machte ich den Fehler und trennte mich, weil ich dachte das Problem löse sich dann. Doch dem war leider nicht so.

Von Woche zu Woche wurde es schlechter. Ich hatte keine Lust mehr nach draußen zu gehen. Ein Zahnarztbesuch war die Qual, meine Gedanken drehten sich im Kreis, mein Herz klopfte wie verrückt. Mir war alles Gleichgültig, ich verlor meine Erinnerung, hatte schon Suizidgedanken etc. Nicht wissend, was mit mir geschieht ging ich zum x-ten Mal zum Arzt, ich hielt diese Situation nicht mehr aus. Nach 4 quälenden Wochen zuhause, schickte mich meine Ärztin in die Kreisklinik, die leider nicht für so etwas zuständig war. Ich verbrachte trotzdem dort eine Nacht. Nach quälenden Suizidgedanken, die mich trieben und ich es nicht mehr aushielt, habe ich die Entscheidung getroffen in eine Psychiatrie zu gehen.

Klinik

Dort befand ich mich die ersten Tage auf der behüteten Station, wegen der Suizidgedanken. Ich wollte einfach beschützt sein vor mir selbst. Diagnose schwere rezidivierende Depression. Im Allgemeinen verbrachte ich 15 Wochen in der Klinik. Wurde auf Medikamente eingestellt, die einige Zeit brauchten bis sie anschlugen. Nebenbei nahm ich an manchen Therapien teil. Was sich schwierig gestaltete, denn nach wie vor fehlte der Elan und der Antrieb etwas zu machen. Doch ich wollte gesund werden und raffte mich oft dazu auf. Noch in der Klinik begann ich bei meiner Ärztin eine Verhaltenstherapie. Seitdem findet diese 1x wöchentlich statt. Nach dem Klinikaufenthalt war ich noch mal 5 Wochen in einer psychosomatischen Klinik auf Reha, die mir zu einem späteren Zeitpunkt wahrscheinlich mehr gebracht hätte.

Im Dezember begann ich meine Wiedereingliederung, die sich in meinem Zustand noch schwierig gestaltete. Doch ich blieb am Ball. Zudem zog ich in meine 1. eigene Wohnung, was auch nicht immer leicht war. Allein zu sein, geplagt von Gedanken. Ich versuchte mich so gut wie möglich abzulenken. Wenn es nicht funktionierte, verwendete ich Finalgon, das auf der Haut brennt und somit Ablenkung schafft. Da ich dies in der Klinik kennengelernt hatte und es mir half, verwende ich es auch zuhause, wenn es nötig ist.

Jetzt, nach diesen ganzen Monaten, kann ich sagen, Psychiatrie war die beste Entscheidung. Auch wenn die Zeit in der Psychiatire eine sehr harte Zeit war. Es hat mich wieder in die richtige Spur geführt. Außerdem lernte ich dort tolle Menschen kennen denen es genauso ging.


In meiner Verhaltenstherapie habe ich super viel gelernt wofür ich echt dankbar bin. Unter anderem Selbstfürsorge zu betreiben, Denkfehler zu erkennen und um zu gestalten. Ich bin froh diese Schritte gegangen zu sein.

Manchmal habe ich noch ein bisschen mit der Depression zu kämpfen, aber ich habe es bis hier her geschafft und mache weiter 🙂

Fazit

  • Depression ist eine Krankheit kein Bekloppten-Staus.
  • Hilfe suchen und bekommen ist keine Schwäche.
  • Auch mit Depression ist man es wert, geliebt zu werden.
  • Es braucht Zeit fit zu werden und die sollte man sich geben.

Isabell

 

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