Erfahrungsbericht Clea, 33 Jahre – Depression

Baum sinnbildlich für den Kampf einer Mutter mit Depressionen

Alles begann so ziemlich genau vor 3 Jahren

Meine komplette Familie wandte sich plötzlich gegen mich. Sie haben mir Dinge vorgeworfen wo ich mich heute noch frage, woher die das nehmen. Sie waren der Meinung, dass mein Sohn (zu der Zeit 6 Jahre alt) geistig zurückgeblieben und dumm wäre. Was aber nicht so ist. Sie meinten auch ich wäre zu faul zum arbeiten und noch ein paar andere nicht nette Dinge. Mein Kleiner hat mitbekommen, wie es mir immer schlechter ging und war der Meinung mich trösten zu müssen. Das wollte ich nicht, deshalb einigte ich mich mit dem Kindsvater dass der kleine vorerst bei ihm leben sollte. Gesagt getan. Natürlich fiel es mir schwer, aber der kleine sollte nicht unter meiner damals leichten Depression leiden.

Die Psychotherapie

Ich begann eine Psychotherapie, nahm zur Unterstützung Medikamente und es ging mir schnell besser. Dann, im Oktober/ November 2012 fragte mich der Kindsvater um Erlaubnis, mit dem kleinen in die USA zu fliegen, damit er seine Großeltern väterlicherseits die dort lebten, kennen zu lernen.

Ich gab ihm meine Erlaubnis, mit dem Gedanken, in dieser Zeit weiter an mir zu arbeiten und den kleinen nach diesem Urlaub wieder zu mir zu holen.

Mit dem Wissen von heute muss ich sagen, dass das der größte Fehler meines Lebens war.

Es waren 3 Wochen vereinbart. Doch dabei blieb es nicht. Als die Zeit dran war, dass er hätte wiederkommen müssen bat er mich, noch Weihnachten mit seinen Eltern zu feiern. Da ich kein Unmensch bin, gab ich mein ok.

Die schlimmste Zeit

Dann begann die schlimmste Zeit in meinem Leben. Die Anrufe von meinem Sohn wurden immer weniger, bis irgendwann keine mehr kamen. Auch auf meine Nachrichten kam keine Antwort. Es dauerte dann auch nicht mehr lange bis mich der Kindsvater überall blockierte.

Ich nahm mir dann eine Anwältin, erstattete Anzeige und das ganze nahm seinen Lauf. Nach über einem Jahr, im Mär 2014, rief mich meine Mutter an und fragte mich, ob ich mit ihr einkaufen gehe und sie müsste mit was sagen. Es war nichts aus ihr raus zu bekommen. Erst im Laden….da sagte sie mir aus heiterem Himmel, dass mein Sohn dann zu ihr kommt. Ich fiel aus allen Wolken. Was hat sie da gerade gesagt? Träum ich?

Das Wiedersehen

Als wir dann bei ihr waren, dauerte es nicht lange bis es klingelte. Ich wusste gar nicht was ich machen sollte. War hoffnungslos überfordert mit der Situation. Sie ging zur Tür, ich blieb im Wohnzimmer. Ich konnte und wollte den Kindsvater nicht sehen. Ich hörte wie meine Mutter zu dem kleinen sagte, dass ich drin bin….Die Tür ging auf. Ich wollte weg, mir war schlecht, ich hatte unglaubliche Angst vor der Reaktion von dem kleinen. Aber es war super. Er sah mich, riss seine Arme auseinander und kam Mamaaaaaa rufend auf mich zu gerannt und fiel mir um den Hals. Ich konnte das alles gar nicht realisieren. Ein anderthalbes Jahr nicht gesehen, etwas über 1 Jahr keinen Kontakt und dann steht er plötzlich wieder vor mir.

Die Ermittlung

Aber das schlimmste kommt noch. Dieser Tag war ein Samstag. Am Montag darauf rief mich die Kripo an um mir zu sagen dass mein Kind wieder da ist. Ein paar Tage später musste ich zur Aussage hin. Da erfuhr ich, dass meine Mutter die ganze Zeit über Kontakt zum Kindsvater hatte. Und sie hat mir kein einziges Wort gesagt. Sie wusste schon seit Donnerstag vor dem besagten Samstag, dass die beiden wieder da sind. Freitag saß ich noch bei ihr und hab mir die Augen aus dem Kopf geheult. Und die sitzt da und sagt nichts! Die Kripo glaubte mir natürlich nicht dass sie mir nichts gesagt hat. Deswegen wurde dann gegen mich ermittelt, wegen Vortäuschung einer Straftat. Natürlich ist das im Sande verlaufen.

Im Sinne des Kindeswohls

Heute ist es so, dass ich mich mit dem Kindsvater ausgesprochen habe. Wir haben im Sinne des Kindeswohls entschieden dass der kleine weiter bei ihm lebt. Ich habe ihn jedes Wochenende bei mir. Zu meiner Mutter habe ich den Kontakt abgebrochen. Ich kann und will ihr das alles nicht verzeihen. Sie hätte mir so viel Leid ersparen können. Aber nein….

Mir geht es heute relativ gut. Ich kämpfe weiter gegen die Depressionen und mache das beste aus der Situation.

FAZIT

Ich habe mich entschieden die Geschichte hier zu erzählen weil es mir gut tut, das alles mal von der Seele zu schreiben. Und weil ich anderen Mut machen möchte. Egal wie aussichtslos die Situation erscheint, gebt nicht auf. Hört nicht auf zu kämpfen!

Diese Geschichte hat mich so kaputt gemacht, dass ich zur Zeit nicht mal arbeiten gehen darf (mit 33Jahren)! Es kommen immer wieder schlechte Phasen aus denen ich bis jetzt immer wieder raus gekommen bin. Ich werde den Kampf nicht aufgeben!

Ich finde es nur sehr traurig, dass man als depressiver Mensch öfter mal als faul abgestempelt wird. Schade, dass einer Depression gegenüber noch so viel Unverständnis herrscht, (Meine Diagnose: rezidivierende depressive Störung mit mittelschweren bis schweren Episoden).

Clea

 

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