Was ist erlernte Hilflosigkeit?

In unserem Beitrag über negative Gedankenmuster während Depressionen haben wir bereits über den Zusammenhang zwischen unseren Gedanken, Gefühlen und unserem Befinden informiert. Psychologen und Therapeuten kommen hierbei häufig auf das Konzept der sogenannten erlernten Hilflosigkeit zu sprechen. Was erlernte Hilflosigkeit ist und warum das Konzept vielleicht sogar Hoffnung machen kann, beschreiben wir in diesem Artikel.

Bild einer Jungen Frau - erlernte Hilflosigkeit

 

Erlernte Hilflosigkeit in der Psychologie

Das Konzept der erlernten Hilflosigkeit geht auf Erkenntnisse des Psychologen Martin Seligmann zurück, die er bei Experimenten mit Hunden gewann. (Anmerkung: Persönlich verabscheue ich Tierversuche und leide beim Schreiben dieses Textes an meiner eigenen Empathie für die Hunde.) Zurück zum Thema. Stark vereinfacht machte Seligmann folgendes Experiment:

Das Experiment

Es gab zwei Gruppen von Hunden, die schwachen Stromstößen ausgesetzt wurden. (Das liest und schreibt sich wirklich schrecklich, ist aber wichtig, um das Konzept zu verstehen). Die eine Gruppe von Hunden hatte keine Möglichkeit den Stromstößen zu entgehen. Die andere Gruppe konnte mit der Schnauze einen Hebel betätigen, um die Stromschläge zu beenden. Die Hunde der zweiten Gruppe lernten hierbei, dass sie den Geschehnissen nicht hilflos gegenüberstehen, sondern sie durch eigenes Handeln beeinflussen konnten.

Im zweiten Teil des Experiments brachte man die Hunde in ein Gatter. Hier setzte man den Hunden erneut Stromstößen aus. Das Gatter war leicht zu überspringen, so dass sich die Hunde durch eigenes Handeln den Stromschlägen entziehen konnten.

Im Ergebnis sprangen die Hunde der zweiten Gruppe über das Gatter. Die Hunde der ersten Gruppe hingegen, also die die Hilflosigkeit gelernt hatten, ergaben sich in ihr Schicksal, legten sich einfach hin und ließen die Stromschläge über sich ergehen.

Psychologische Erkenntnisse

Die Psychologen übertrugen die Erkenntnisse auf menschliches Verhalten und entwickelten daraus ein Modell, um bestimmte Formen von Depressionen zu erklären. Etwas vereinfacht gesagt:

Wer bezogen auf bestimmte Situationen seine eigene Entscheidungsmacht und sein eigenes Handeln als nicht wichtig ansieht, wird sich auch in anderen Situationen häufiger als hilf- und machtlos wahrnehmen. Er bewertet sie eher als aussichtslos und hofft weniger auf Veränderungen zum Guten.

Der Zusammenhang mit Depressionen dürfte zumindest jedem, der unter Depressionen leidet oder litt recht schnell klarwerden. Als eines der Symptome der Depression sei hier alleine nur das schreckliche Gefühl der eigenen Lähmung und der Machtlosigkeit genannt. Die Hoffnungslosigkeit, die sich breit macht, wenn man an eigene Aktionen denkt. Die gefühlte Ausweglosigkeit, da man einfach auch keinen „Zugriff“ auf die eigene Kreativität hat. Man ist dann gar nicht mehr in der Lage eigene Ideen zu entwickeln.

Ich schreibe das aus eigener Erfahrung und gebe zu: Wer das nicht selbst hatte, wird es vermutlich deutlich schwieriger nachvollziehen können. Ich schreibe hier aber voller Überzeugung, dass niemand mit Absicht in einem solchen Zustand verharrt.

Der Teil mit der Hoffnung

Manchmal kommt das Beste halt zum Schluss. Die eigentliche Sensation der Forschungen Seligmanns liegt aber in dem Teil, dass man Hilflosigkeit nicht nur lernen kann, sondern man kann erlernte Hilflosigkeit auch wieder verlernen. Genau da setzen verschiedene Therapien an.

Das ist ganz bestimmt nicht einfach und erfordert in vielen Fällen auch therapeutische Begleitung. Aber man kann es üben. Und allein darin besteht immerhin Hoffnung, wo viele Menschen – zum Beispiel in einer Depression –  eigentlich keine Hoffnung mehr sehen können.

Wie siehst Du das?

Haben die Psychologen recht? Kannst man die Erkenntnisse überhaupt so einfach auf Menschen übertragen? Wie gehst Du mit Situationen um, in denen Du Dich hilflos fühlst?

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2 Kommentare zu “Was ist erlernte Hilflosigkeit?

  • Auch wenn ich wie Du Tierversuche verabscheue, finde ich die Erkenntnisse wichtig im Kampf gegen die Depression. Wir sind nicht machtlos.

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar liebe Petra, da haben wir die gleiche Sicht auf die Dinge.

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