Sabine Schaub – Erfahrungsbericht Depressionen

Eigentlich dachte ich immer, ich wüsste was Depressionen sind.

Ich wurde aber im Jahr 2013 eines besseren belehrt. Ich wusste gar nichts…!

Unter Depressionen stellte ich mir immer vor, dass die Freude im Leben nicht mehr vorhanden sei und alles sehr schwer zu bewältigen sei. Aber den Alltag bekommt doch jeder noch irgendwie hin.
Als ich in einer psychosomatischen Klinik war, war dort auch eine recht junge Frau (Anfang 20). Sie war total desorientiert, sie ließ überall alles liegen, vergaß vieles und kam morgens nicht aus dem Bett. Das konnte ich nicht verstehen, ich stempelte sie als faul ab. Für diese Verhaltensweisen hatte ich überhaupt kein Verständnis.
Ich war der Meinung, das depressive Menschen immer mit einer Psychotherapie behandelbar seien.

Erfahrungsbericht Depression - Sabine Schaub

Als ich erfuhr, das sich Robert Enke wegen seiner Depression selbst umbrachte, konnte ich das absolut nicht nachvollziehen. Warum hat er keine Therapie gemacht? Das war mein erster Gedanke. So hätte er doch seine Depression in den Griff bekommen….und sein Leben retten können.


Da ich im Jahr 2013 das erste Mal in meinem Leben an einer Psychose erkrankte, sollte ich erfahren, was Depression bedeutet. Ich bekam nach meiner Psychose eine sehr starke Depression.

Nach dem Klinikaufenthalt

wegen der Psychose waren alle Lebensgeister aus mir heraus geblasen. Ich wollte alles machen, aber konnte nichts mehr…!
All meine Gedanken waren nicht mehr da. Mein Kopf war leer. Außerdem konnte ich absolut nichts mehr fühlen.
All meine Gefühle waren verschwunden…! Mich interessierte überhaupt nichts mehr.
Ich war nicht mehr ICH….es war als hätte ich mich in Luft aufgelöst. Nur mein Körper war noch da. Wie eine leere Hülle.
Ich konnte meinen Alltag nicht mehr bewältigen. Jede Situation überforderte mich grenzenlos. Selbst duschen war ein Berg für mich. Ich musste mich Stunden damit beschäftigen, bevor ich es endlich schaffte, zu duschen. So war es mit allen Dingen. Ich lag nur noch auf der Couch und starrte Löcher in die Luft.
Ich war hoffnungslos und verzweifelt. Dachte, ich werde nie mehr gesund.

All das konnte doch nicht „nur“ eine Depression sein.

Ich vermutete noch eine andere psychische Erkrankung, die kein Arzt feststellte. Ich konnte es einfach nicht glauben konnte, das so etwas eine Depression aus lösen könne. Tatsächlich war es die Depression…..!
Ich „lebte“ sechs Wochen mit dieser starken Depression. Dann konnte ich den Leidensdruck nicht mehr ertragen. Es war so schwer, das Leben. Ich war lebensmüde. Hatte keine Kraft mehr das Leben auszuhalten.
Die einzigen Gedanken, die ich mir machen konnte waren, wie ich diesem „Leben“ ein Ende bereiten könne. Ich überlegte mir mit meinem Auto ungebremst gegen einen Brückenpfeiler zu fahren. Mich zu Hause umbringen kam nicht in Frage, dort könnte mich meine Tochter finden, das wollte ich auf gar keinen Fall.
Nur ein Gedanke hielt mich von der Umsetzung des Selbstmordes ab. Ich hatte große Angst, das ich nicht tot sein werde und ich mir noch schlimmere, dann auch noch körperliche Verletzungen zuziehen könne. Wie sollte ich dies dann schaffen?

Ich ging dann doch in eine Klinik. Dort wurde ich noch über zwei Monate behandelt. Ich bekam andere und neue Medikamente. Die Umstellung dauerte lange. Und die Wirkung auch. In der Klinik lag ich die meiste Zeit im Bett. Abends hoffte ich, dass ich morgens nicht mehr wach werden würde. Es war ein langer Weg.

Oft fehlte mir die Kraft weiter zumachen.

Ich dachte dann an meine Tochter. Wie schlimm es für ein Kind sei, wenn die Mutter sich umbringt. Meine Tochter hat mir das Leben gerettet.
Irgendwann griffen die Medikamente. Die Depression verschwand genauso schnell, wie sie kam….!
Ich weiß jetzt, was es bedeutet, depressiv zu sein.
Heute geht es mir gut. Ich möchte Menschen mit Depressionen Hoffnung geben, weiter zumachen und nicht zu verzweifeln.
Ich bin sehr froh, das ich noch lebe. Die Depression schaffte es nicht mich umzubringen.

Zum Schluss möchte ich noch etwas anmerken.

Es ist für gesunde Menschen die, diese dunkel Seite des Lebens noch nicht gesehen haben, sehr schwer zu verstehen, was Depressionen bedeuten. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, das gesunde Menschen es überhaupt nicht verstehen können, selbst wenn sie es wollen.


Auch sie sind sehr hilflos, wenn ein naher Angehöriger oder guter Bekannter an Depressionen erkrankt.
Die ganzen Aussagen, wie z. B.:

  • geh doch mal gegen dich
  • lass dich doch nicht so hängen
  • jeder hat mal einen schlechten Tag
  • geh mal spazieren, dann geht es dir bestimmt besser
  • du musst nur wollen, dann schaffst du es auch
    usw…

werden meiner Meinung nach einfach dahin gesagt, weil gesunde Menschen einfach keine Vorstellung darüber haben, was es heißt depressiv zu sein.
Es wäre wirklich wünschenswert, wenn sie sich damit auseinandersetzen und sich auf verschiedenen Wegen über Depressionen und die Symptome informieren würden.

Ich hatte das Glück, das meine Familie sich informierte und ich diese Aussagen nie zu hören bekam.

Sabine Schaub

–> Sabine auf facebook

√ Sabines bewegendes Buch: Als mich das Glück fand

 

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