Haben Depressionen einen Sinn?

Der Sinn von Depressionen

Die Frage nach dem Sinn

Ok, ok. Um es gleich vorwegzunehmen. Wer gerade jetzt an einer Depression oder einer schweren Depression leidet wird sich vielleicht fragen, was der Quatsch soll. Eine so schreckliche Krankheit kann doch keinen Sinn haben. Zumindest ging es mir so, als ich das erste Mal hörte, dass Depressionen zu irgendwas gut sein könnten. Meine schwere Depression mit Suizidgedanken waren zu dieser Zeit gerade dabei sich in eine „normale“ Depression zu verwandeln. Und ich dachte mir, sowas wie eine Depression wünsche ich meinem schlimmsten Feind nicht. Und die Welt wäre sicherlich viel besser, wenn Menschen sowas erst gar nicht bekommen würden. Also allen Skeptikern hier versichere ich mal vor ab: Ich weiß, was ihr meint!

Warum dann so ein Beitrag?

Weil es mit Abstand betrachtet auch für mich einen Sinn ergibt, was Psychoanalytiker und Tiefenpsychologen zu diesem Thema schreiben. Diese Gedanken helfen mir, mich nicht irgendwie als „verflucht“ oder „von Gott verlassen“ zu fühlen. Soviel mal zur Einleitung, jetzt geht es auch schon los mit der Tiefenpsychologie.

Der Zweck von Depressionen in der Tiefenpsychologie

Die Psychoanalytiker schreiben der Depression einen wichtigen Sinn zu, in dem sie sie als „Abwehrreaktion“ oder als Schutzmechanismus verstehen. Man kann sich das wie eine innere Notbremse vorstellen, die gezogen wird, um nicht von den eigenen Emotionen und Gedanken überwältigt zu werden und sich vor diesen zu schützen. Wer es hatte kennt die tiefen Ängste, die Wut, die grenzenlose Verzweiflung und den Hass auf sich selbst. Das Gefühl weniger wert zu sein als gar nichts. So weit, so schlimm. Aber wo soll da nun ein Nutzen sein?

Wer Depressionen hatte, kennt auch die unglaubliche Lähmung, den harten Kampf, um selbst kleine alltägliche Aufgaben zu bewältigen. Bei mir selbst gab es Zeiten, in denen ich nicht mal aufstehen konnte.

Genau in dieser Lähmung sehen die Psychologen die Schutzfunktion und eine Überlebensstrategie. Sie wird bereits von Säuglingen eingesetzt. Säuglinge setzen das komplette Herunterfahren all ihrer Lebensfunktionen ein, um sich vor lebensgefährlichen Situationen zu schützen. Auf diese Weise betrachtet, bekommt die Depression also einen Sinn. Sie schützt uns vor übermächtiger Gefahr, bei der alle anderen Lösungsversuche versagt haben. Viele Betroffene sehen keinen Funken Hoffnung mehr, sehen ihre eigenen Potentiale nicht. Kurz: Sie sehen keinen Ausweg. Auch aus eigener Erfahrung macht das für mich soweit Sinn. Gut finde ich es bis hierhin trotzdem nicht. Aber die Tiefenpsychologie geht noch einen Schritt weiter.

Die gute Seite der Depression

In diesem Teil verweisen Psychologen gerne auf die Gedanken und die Arbeit des Schweizer Psychiaters Carl Gustav Jung. Dieser hat es mal so ausgedrückt:

Die Depression ist gleich einer Dame in Schwarz. Tritt sie auf, so weise sie nicht weg, sondern bitte sie als Gast zu Tisch und höre, was sie zu sagen hat.

Es wird nicht mehr nur auf die Depression als Krankheit mit all ihren Symptomen geschaut, sondern dem für die Depression verantwortlichen Unterbewusstsein eine eigene Intelligenz, ja sogar eine Weisheit zugeschrieben. Mit der Depression bewahrt uns – so die Tiefenpsychologie – unser eigenes Unterbewusstsein vor einem noch größeren Schaden.

Die Depression bewahrt uns davor, dass wir ein Leben fortführen, was uns weiter krank macht. Der mit der Depression einhergehende Rückzug, den auch viele Menschen aus der Community erleben, wird als eine Auszeit gesehen. Als Raum für eine innere Suche, die den Boden für eine Neuorientierung bereitet. Sie erlaubt ein Nachdenken über das eigene Leben, um dieses nach der Depression besser fortzuführen.

Wie siehst Du es? Hat die Tiefenpsychologie recht? Kannst Du den Aspekten etwas abgewinnen? Oder ist das „Schönmalerei?“

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