Erfahrungsbericht Jasmina, 27: Ihr Weg durch eine schwere depressive Episode

Depressionen kommen unerwartet

Für mich kam die letzte Episode meiner Depressionen völlig unerwartet, aber riss mich in so ein tiefes Loch, dass ich nicht wusste, wie ich da jemals wieder herausfinden soll.

Erfahrungsbericht Depression Jasmina fühlt sich ersetzlich, einsam, verlassen

Vorgeschichte

Ich leide bereits seit dem Grundschulalter an Suizidgedanken und leichten bis mittelschweren Depressionen, die jedoch bis vor ca. einem Jahr unbehandelt blieben. Bis dahin schaffte ich es relativ eigenständig wieder aus den Episoden heraus.

Start der Therapie

Ich hatte im September 2016 eine Verhaltenstherapie begonnen, jedoch vorrangig, um meine Wutattacken in den Griff zu bekommen und mein verloren gegangenes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein wieder aufzubauen. Insbesondere mein Selbstbewusstsein ging in der Beziehung, in der ich mich zu der Zeit bereits seit 3 Jahren befand, irgendwo auf der Strecke verloren. So wollte ich nicht weitermachen und begann deshalb die Therapie.

Der schleichende Weg in die nächste Episode

Im März 2017 trennte ich mich von meinem Freund, was eher zufällig in einem unserer Streits geschah. Ich war erleichtert und froh, mir ging es sehr gut damit, endlich aus dieser Beziehung zu sein. Ich genoss die Freiheit, begann neue Hobbies, die Therapie lief gut, ich hatte Spaß am Leben. Doch dann traf es mich mit voller Wucht: Mein Exfreund hatte auf einmal eine neue Freundin, meine Freunde waren zufällig alle genau in dieser Zeit, als ich das erfuhr, im Urlaub bzw. hatten sie keine Zeit für mich. Ich war allein. In der Therapie arbeiteten wir gerade an meinem mangelnden Selbstbewusstsein, was einige schwerwiegende Erinnerungen wieder präsent machte. Hinzu kamen Unstimmigkeiten mit einer Freundin, meiner Schwester und meinen Eltern, und der Job machte keinen Spaß. Alles ging den Bach runter. Die Gedanken begannen zu kreisen. Ich fühlte mich ersetzlich. Wäre ich nicht da würden meine Freunde ja trotzdem ein schönes Leben haben, sie brauchen ja mich nicht, um ein schönes Leben zu haben. Welchen Mehrwert bringe ich ihnen?

Ich konnte mich nicht mehr dazu bewegen, raus zu gehen, fühlte mich einsam, weinte fast durchgängig, konnte mich nichtmehr freuen. Im Job lief es genauso schlecht, ich fühlte mich nutzlos, unkonzentriert. Ich wollte nicht mehr leben. Ich fühlte mich ersetzlich, einsam, verlassen, jeder setzte sein Leben fort, ohne mich einzubeziehen. Ich fragte mich, ob man mich überhaupt vermissen würde, wie man mich in Erinnerung halten würde. An einem Tag war ich kurz davor, in die Klinik zu gehen, weil ich nicht sicher war, ob ich es durch den Tag schaffte. Ich schaffte es durch den Tag, aber es war der Tiefpunkt, an den ich gelangt war.

Der Weg zurück ins Leben

Ich bin froh, dass ich bereits in therapeutischer Behandlung war. Wir erhöhten in dieser Phase meine Wochenstunden, damit ich gut betreut war. Die Therapie half mir sehr durch diese Zeit. Die akuten Beschwerden ließen bereits nach etwa einem Monat nach, aber der Lebensmut kehrte erst nach gut sechs Monaten wieder zurück.

Ein wichtiger Punkt, der mir auch aus der Episode half, war ein Satz, den eine Freundin mir sagte: „Du bist mir wichtig. Mir geht es momentan gut, aber wenn du nicht mehr da wärst, dann würde mir das den Boden unter den Füßen wegziehen. Bitte sei stark.“

Es war nicht die erste depressive Episode, die ich durchgemacht habe, aber definitiv eine der schlimmsten. Ich bin froh, dass es mir momentan wieder besser geht, und wünsche allen Betroffenen

viel Kraft. Auch wenn es in dunklen Momenten nicht so erscheint, so kann ich doch sagen: es wird wieder besser.

Fazit

Ich weiß, dass meine Depressionen nicht für immer geheilt werden können, aber ich mache mir bewusst, dass nach jeder Dunkelheit auch wieder Licht ins Leben kommt. Für mich waren die warmen Worte von Freunden und die Therapie sehr wichtig und haben mir sehr geholfen. Ich habe gelernt, weitestgehend offen mit meinen Depressionen umzugehen.

Ich habe einen Mittelweg für mich finden: nicht jedem Menschen erzähle ich von jedem körperlichen Leiden, das ich gerade habe, warum sollte ich dann jedem sagen, dass ich Depressionen habe. Dennoch verschweige ich das Thema nicht, wenn es einmal aufkommt, und entgegne auch etwas, wenn jemand Depressionen als Schwäche herunterspielt.

Jeder soll wissen: Depressionen sind eine Krankheit die heilbar ist. Sie können jeden treffen. Sie können aber auch immer wieder kommen. Aber Hilfe ist da, und sie steht jedem zu. Nehmt sie in Anspruch, auch wenn die Wartezeiten lang sind.

Jasmina, 27

 

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