Chronifizierte Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung

Über Posttraumatische Belastungsstörung haben wir in einem gesonderten Artikel berichtet. Was ist aber nun eine Chronifizierte Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung? Und warum gibt es einen gesonderten Artikel zu diesem Thema?

Weil es unterschiedliche Krankheitsbilder sind. Auch das Klassifizierungssystem der Weltgesundheitsorganisation unterscheidet in zwei Diagnosen. Beide Krankheitsbilder hängen eng miteinander zusammen. Bei der Chronifizierten Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung gibt es einige Besonderheiten.  Die Dauer und die Symptome sind abweichend. Das Thema PTBS und Chronifizierte Posttraumatische Belastungsstörung verdient gleich mehrfach unsere Aufmerksamkeit. Es gibt viele Verbindungen mit Depressionen.

Chronifizierte Komplexe Posttraumatische Belastungsstoerung; Schaubild mit Wortwolke

In meinem eigenen Fall lautete die Diagnose bereits schwere Depression, als ich selbst noch nicht mal wusste, dass ich schwere Traumata durchlebt hatte. Die Erinnerungen kamen bei mir erst in tiefenpsychologischen Gesprächen in der Klinik wieder ins Bewusstsein. Ich schreibe das, damit deutlich wird, wie schwer es ist, beide Krankheiten voneinander abzugrenzen. Als Betroffener konnte ich weder Ärzten noch Psychotherapeuten von meinen Traumata berichten, da ich mich schlicht nicht daran erinnern konnte. Entsprechend konnte lange Zeit keine korrekte Diagnose gestellt werden. Diese wirkt sich natürlich auf die Therapie aus. Auf Traumatherapien werden wir in einem gesonderten Beitrag eingehen.

ICD-10 F62.0 – Chronifizierte Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung

In den ICD-10 wird unter der Ordnungsziffer F62.0 die andauernde Persönlichkeitsstörung nach extremer Belastung beschrieben. Der Zusammenhang zur Posttraumatischen Belastungsstörung (F43.0) besteht darin, dass diese der chronischen Form vorausgehen kann.

Die Diagnose Chronifizierte Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung erhält man, wenn die auf extremen Erlebnissen (Traumata) beruhenden Persönlichkeitsänderungen mindestens 2 Jahre andauern.

Ursachen und Auslöser

Wie auch die Posttraumatische Belastungsstörung und exogene Depressionen ist auch die Chronifizierte Posttraumatische Belastungsstörung durch externe Ereignisse und Erlebnisse bedingt. Diese werden als Traumata bezeichnet. Die Ursachen für eine Chronifizierte Posttraumatische Belastungsstörung sind individuell. Sie sind insbesondere durch ihre Schwere gekennzeichnet. Häufig haben die traumatisierenden Situationen über einen längeren Zeitraum bestanden und oder sind wiederholt vorgekommen.

Genannt werden in der Literatur beispielsweise:

  • Erlebnisse, in denen es um Leben und Tod ging
  • Nahtoderfahrungen
  • Kriegserlebnisse
  • Erlebnisse in Konzentrationslagern
  • Terroranschläge
  • Folter
  • Missbrauchsfälle im Kindesalter oder in der Partnerschaft

Auffällig und sehr traurig ist, dass es sich in den meisten Fällen um Folgen von Taten und Gewalt handelt, die Menschen anderen Menschen zufügen. Aber es gibt auch andere Auslöser, wie beispielsweise Naturkatastrophen.

Wie auch bei der PTBS erzeugen die auslösenden Situationen in der Regel Angst und Stresssituationen. Diese sind natürlich und bereiten den Menschen darauf vor entweder zu fliehen oder zu kämpfen. Allerdings können die Betroffenen in der traumatisierenden Situation diesen Impulsen nicht folgen. Sie verlieren jegliche Kontrolle in der Situation.

Symptome

Symptome nach ICD-10

Die weitreichenden Symptome einer Chronifizierten Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörungen werden in den ICD10-wie folgt beschrieben:

  • Feindliche Haltung gegenüber der Welt
  • Misstrauische Haltung gegenüber der Welt
  • Sozialer Rückzug
  • Gefühle der Leere
  • Gefühlte Hoffnungslosigkeit
  • Ständige Anspannung, als ob man durchgängig bedroht würde
  • Gefühle der Entfremdung

Da die Chronifizierte Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung häufig auf PTBS folgt, kommen die Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung, denen wir einen ausführlichen Beitrag gewidmet haben, hier ebenfalls in Betracht. Zu nennen wären hier unter anderem Flashbacks, Alpträume und Depressionen. Häufig berichten Betroffene, von verzerrten oder verdrängten Erinnerungen, die sie nicht verarbeiten können. Diese brechen dann in Form von Flashbacks oder auch Alpträumen unvermittelt durch und finden ihren Weg sehr intensiv in das Bewusstsein der Betroffenen zurück.

DESNOS

Eine zweite bzw. ergänzende Darstellung der Symptome und Folgeerscheinungen von komplexen Traumatisierungen wurden unter dem Namen DESNOS beschrieben. DESNOS ist ein Akronym und steht für „Disorder of Extreme Stress Not Otherwise Specified“. Und wird häufig mit Posttraumatischer Belastungsstörung gleich gesetzt.

DESNOS wurde bereits in den 70er Jahren von der amerikanischen Psychiaterin und Trauma Expertin Judith Lewis Hermann definiert. Ihre bahnbrechenden Erkenntnisse sind gewissermaßen das Fundament zur heutigen Diagnose und Therapie Komplexer Posttraumatischer Belastungsstörungen. DESNOS unterscheidet die folgenden 6 unterschiedliche Gruppen von Symptomen bei komplexer Traumatisierung.

Veränderte Regulierung von Affekten und Impulsen

Hier werden verschieden Persönlichkeitsveränderungen genannt, die sich in der Folge von komplexen Traumatisierungen einstellen. Unter anderem

  • Selbstmordgedanken
  • Umgang mit Ärger
  • selbstzerstörende Verhaltensmuster
  • Veränderungen und Probleme hinsichtlich der Sexualität
  • verstärktes und ausgeprägtes Risikoverhalten

Abweichungen hinsichtlich Aufmerksamkeit und Bewusstsein

Wie auch bei Depressionen ergeben sich bei Komplexer Chronischer Posttraumatischer Bewusstseinsstörung Einschränkungen bei der Konzentration oder Veränderungen im Bewusstsein.

  • Störung der Gedächtnisleistungen hinsichtlich zeitlicher und inhaltlicher Erinnerungen. Sogenannte Amnesien.
  • Neigung zu dissoziieren
  • Veränderungen in der Wahrnehmung der eigenen Person z.B. des eigenen Körpers oder des eigenen Denkens und Fühlens

Abweichungen bei der Selbstwahrnehmung

Wer Depressionen hatte oder hat, wird auch hier aus eigener Erfahrung vielleicht das ein oder andere Symptom bei sich wiedererkennen.

Abweichungen in Beziehungen zu anderen Menschen

  • Man kann anderen Menschen nicht mehr Vertrauen
  • Viktimisierung und Reviktimisierung (Das bedeutet, dass Personen oder Personengruppen eine Opferrolle zugeschrieben wird.)

Körperliche Veränderungen (Somatisierung)

Natürlich kennen wir psychosomatische Symptome bereits von den Symptomen der Depression. Diese können sehr unterschiedlich sein. Körperliche Symptome können sein:

  • Andauernde und chronische Schmerzen, die keine physische Ursache haben. (Diese sollten zunächst durch einen Arzt ausgeschlossen werden.)
  • Schmerzen in Herz- oder Lungengegend
  • Sexuelle Funktionsstörungen

Fazit und Zusammenhänge Symptome

Insgesamt wird deutlich, dass zwischen den Symptomen von PTBS, Chronifizierter PTBS und den Symptomen der Depression diverse Überschneidungen bestehen. Nicht zuletzt begünstigt die Posttraumatische Belastungsstörung die Entstehung von Depressionen. Unsere Erfahrungsberichte sind voll von persönlichen Geschichten von Menschen, die schreckliches durchlebt haben und heute an Depressionen oder wie Catheriné anderen psychischen Folgeerscheinungen von traumatisierenden Erlebnissen in ihrer Kindheit leiden.

Behandlung und Therapie

Auch hier bestehen zunächst diverse Parallelen zur Depression. In Betracht kommen die üblichen Therapieverfahren. Mittlerweile sind spezielle integrative psychotherapeutische Ansätze spezifisch zur Behandlung von Chronifizierter Komplexer Posttraumatische Belastungsstörung entwickelt worden, die hierfür bessere Ergebnisse erzielen können. Auch deshalb ist eine korrekte Diagnose so wichtig. Dem Thema Traumatherapie werden wir einen eigenen Beitrag widmen.

Deine Erfahrungen

Wie sind Deine Erfahrungen? Leidest Du an Depressionen oder PTBS? Konnte bei Dir eine persönlichkeitsverändernde Traumatisierung festgestellt oder ausgeschlossen werden? Was hilft Dir Deine Erlebnisse zu verarbeiten. Schreib uns gerne einen Erfahrungsbericht oder teile uns mit, wenn wir etwas Wichtiges vergessen haben. Diese Artikel sind von Betroffenen für Betroffene geschrieben. Sie dienen dem Austausch und der Vernetzung von Betroffenen untereinander sowie mit Experten. Hier und in den sozialen Medien.

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